Eine Aufnahme des Aepfelweibs bei der Attacke des Studenten

Kunstmärchen oder Volksmärchen?

Interview mit einem Germanistik-Professor
Dresden, den 30. Dezember 1813 Verfasst von L. Finkbeiner und F. Pojtinger

Im heutigen Kulturartikel wird ein wichtiger Aspekt der Märchengeschichte behandelt. Kunstmärchen? Volksmärchen? Finden Sie es heraus!

ILLUSTRIERTE:
Berühmete Märchen wie "Der Froschkönig", "Rapunzel", "Schneewitchen", "Aschenputtel" und viele mehr sind überall verbreitet. Wir haben sicherlich viele gelesen, doch meiner Meinung nach sind sie alle ähnlich aufgebaut. Sie sagen aber, nicht jedes "Märchen" sei "wirklich" ein Märchen?
PROFESSOR:
Genau so ist es. Die Märchen, die Sie soeben aufgezählt haben, sind alle in der Kategorie der Volksmärchen einzuordnen. Es gibt aber auch noch die Kunstmärchen.
ILLUSTRIERTE:
Können Sie uns ein Beispiel nennen?
PROFESSOR:
Das Buch "Der goldne Topf" von E.T.A. Hoffmann ist wohl das Paradebeispiel.
ILLUSTRIERTE:
Interessant, dieses Buch liest gerade der Illustrierte Buchclub! Aber worin liegt denn nun der Unterschied zwischen einem Kunst- und einem Volksmärchen?
PROFESSOR:

Obwohl beides Märchentypen sind, sind Sie doch sehr verschieden.

Während das Kunstmärchen das Werk eines bestimmten Autors ist, wurde das Volksmärchen früher mündlich übertragen und erst später dann von z.B. den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben.

ILLUSTRIERTE:
Das wusste ich jetzt noch nicht. Das kann aber doch noch nicht alles sein, oder?
PROFESSOR:
Nein, das ist es in der Tat noch nicht.

Das Volksmärchen beinhaltet stereotypische Schauplätze wie Burgen, Schlösser oder Brunnen, hat keine genaue Zeitangabe und oftmals gar keine Ortsangabe. Ähnliches gilt auch für die Charaktere: Während die Figuren eines Volksmärchens ebenfalls flach und stereotypisch sind, haben Kunstmärchen konstrastrierend dazu komplexe und facettenreiche Charaktere. Auch sind Kunstmärchen oftmals nicht in der typischen "Märchensprache" geschrieben.

ILLUSTRIERTE:
Aha. Haben die beiden Typen also gar nichts gemeinsam?
PROFESSOR:
So groß ist der Unterschied nun auch wieder nicht, schließlich haben beide Typen immer noch "Märchen" im Namen, und das hat natürlich seinen Grund.

Beide beinhalten insbesondere eine Verbindung zum "Mythos", einer magischen Welt. Außerdem gibt es in beiden Märchentypen einen Helden, der seine Aufgabe zu lösen hat.

ILLUSTRIERTE:
Vielen Dank für dieses aufschlussreiche und informative Gespräch. Wir werden diese Informationen auf jeden Fall an unseren Buchclub weiterleiten.
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Kommentare
Nutzer:
Archivarius Lindhorst
Datum:
31.12.1813
Eine wichtige Unterscheidung

"Die Zeit von Stereotypen und strenger Trennung ist zu Ende. Die Zukunft braucht Facetten, Einheit und Toleranz. Moderne Märchen sind keine Vergangenheitshuldigungen, sondern Visionen."

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